Chronik des Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen/Erft

Wir schreiben das Jahr 2007.

Das Jahr in dem das Tambourkorps Kapellen 100 Jahre alt wird. Runde Geburtstage sind für Vereine jeder Art meist eine Gelegenheit aus Ihrer Geschichte zu erzählen. Nun möchte auch das Tambourkorps aus Kapellen dem Leser dieser Website die Gelegenheit geben sich zu informieren über den Weg dieses Traditionskorps durch die Geschichte bis zum heutigen Tag.

Man schrieb das Jahr 1907, das Geburtsjahr des deutschen Offiziers und späteren Widerstandskämpfers Claus Schenk von Stauffenberg als in Kapellen an der Erft unter der Leitung von Johann Krüppel innerhalb des hiesigen Turnvereins ein Spielmannszug gegründet wurde. Regelmäßige Proben wurden zunächst in der Schreinerei Krüppel durchgeführt. Schon bald war eine gewisse Spielqualität erreicht die zu ersten Auftritten innerhalb des Ortes führten. Den ersten Auftritt außerhalb der Gemeinde hatte das Korps im Jahre 1910 anläßlich der Einweihung des Kreiskrieger - Ehrenmals in Grevenbroich. Im gleichen  Jahr feierte der MGV - „Cäcilia „ sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß fand in Kapellen ein Festzug statt, bei dem das Korps erstmals sein Können in der Öffentlichkeit unter Beweis stellen konnte. Das Spielmannswesen entwickelte sich in Kapellen langsam zu einer festen Größe, als im Jahre 1914 die deutsche Mobilmachung erfolgte und kurz darauf Rußland und Frankreich der Krieg erklärt wurde.

Die Proben wurden sofort eingestellt. Der Krieg wütete fürchterlich und gegen Ende der Feindseligkeiten 1918 konnte man erleichtert feststellen, das keine Spielleute gefallen waren. Das Spielmannswesen flaute ab. Andere Sorgen drückten die Kameraden und das Interesse an eine Wiederaufnahme der Proben fehlte einstweilen noch. Erst im Jahre 1925 fanden einige wenige den Mut zur Aufnahme der Proben.

Man suchte neue Interessenten die zum Weiterbestehen des Korps dringend gebraucht wurden. Der Erste Auftritt des Tambourkorps nach dem 1. Weltkrieg erfolgte, bei einer Fahnenweihe auf dem Bezirksturnfestes das vom TV Jahn Kapellen ausgerichtet wurde.

Die eigenständige Geschichte des Kapellener Spielmannszuges aber beginnt mit dessen Auflösung durch den Turnverein. Gegen eine geringe Gebühr durften die damaligen Spielkameraden die mehr als dürftige Ausrüstung an Uniformen und Instrumenten übernehmen. In der Gatsstätte Hages trafen sich alle Interessierten des Spielmannswesen und gründeten unter dem Namen Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen / Erft einen eigenständigen Verein, dessen Namen bis heute Gültigkeit hat. Johann Ohmen wurde seiner Zeit erster Vorsitzender. Ein Amt das er 32 Jahre ausführen sollte. Der Gastwirt Ferdinand Hages gewährte dem Korps damals große finanzielle Unterstützung. So konnten sofort 4 Trommeln, 6 Flöten und 6 Signalhörner beschafft werden. Erster Tambourmajor des Vereins wurde Peter Borsch, der nach einigen Monaten von Heinrich Pesch abgelöst wurde. Der Verein nahm durch intensive Nachwuchsarbeit einen langsamen aber stetigen Aufschwung. Wettstreite und der Besuch von Stiftungsfesten wurden mit großem Erfolg durchgeführt. Höhepunkte waren aber immer wieder die Auftritte in der eigenen Gemeinde. Die hiesige Karnevalsgesellschaft „Grielächer“, die freiwillige Feuerwehr oder auch der Kapellener Radsportclub und der SC Kapellen, gaben immer wieder dem Tambourkorps die Gelegenheit sein Können bei Festzügen unter Beweis zu stellen. Obwohl Uniformverbot herrschte und alle Veranstaltungen in Zivil durchgeführt werden mußten, wurde im Jahre 1931 eine neue Uniform ( feldgrau mit Lederzeug ) angeschafft. Der Verein hatte seine Kinderschuhe gerade verlasen, da zogen düstre Wolken am deutschen Himmel auf. In seiner Berliner Ausgabe vom 24.März 1934 schreibt der Völkischer Beobachter: Der Wille des deutschen Volkes erfüllt: Der Reichstag übergibt Adolf Hitler die Herrschaft.

Auch für einen kleinen Verein wie das Kapellener Tambourkorps hatte die Konsequenzen. In Kapellen und Hemmerden begann man mit ehrenamtlichen Auftritten ( Zwang ) bei Parteiveranstaltungen. Beim Erntedankfest und am Tag der Arbeit mußte ebenfalls unentgeltlich gespielt werden. Den Versuch der NSDAP - Führung in Kapellen sich das Tambourkorps als SA - Spielmannszug einzuverleiben scheiterte an der taktisch klugen Verhandlungsführung des damaligen Majors Heinrich Pesch. Ein Leistung die man erst heute in seiner Bedeutung richtig erfaßt. Viele Schützenfeste wurden gespielt und fast alle Veranstaltungen im eigenen Ort wurden musikalisch begleitet. 1936 wurde das Vereinsmitglied Willi Stübben für 2 Jahre zur Wehrmacht einberufen, wo er als Spielmann bei der Infanterie in Ostpreußen diente. Ein Jahr nach den olympischen Spielen in Berlin, also 1937, spielte das Tambourkorps zum erstenmal für den neu gegründeten Bürgerschützenverein in Kapellen. Alle Auftritte wurden ehrenamtlich durchgeführt und es entwickelte sich eine besonders enge Verbindung zwischen den beiden Vereinen, die bis heute ungetrübt ist. Erstmalig spielte man in diesem Jahr auf dem Grevenbroicher Schützenfest.

 

Am 8.Mai 1938 wurde das Kriegerehrenmal in Kapellen eingeweiht. Aus diesem feierlichen Anlaß spielte das Tambourkorps nach mühevollen Proben zum ersten mal den „großen Zapfenstreich“. Am 1. September 1939 marschierten deutsche Truppen in Polen ein. Der 2. Weltkrieg hatte begonnen. Vor Kriegsausbruch wurden noch die Schützenfeste in Kapellen, Hemmerden, Bedburdyck, Orken und Noithausen gespielt. Die bereits abgeschlossenen Verträge mit Grevenbroich und Wevelinghoven konnten wegen des Krieges nicht mehr erfüllt werden. Aus gleichem Grund wurden auch die Proben unverzüglich eingestellt.

 

Am 8.Mai 1945 kapituliert die deutsche Wehrmacht. Kurz vor Beendigung des Krieges erliegt Tambourmajor Heinrich Pesch einem Herzschlag. Ein herber Verlust für den Verein nur wenige Kameraden können ihm das letzte Geleit geben. Im Verein trauert man wie im ganzen Land um die Toten des Krieges.

Gefallen und vermißt sind die Spielleute: Willi Spirtz, Josef Stübben, Hans Stübben, Christian Tappen, Franz Lenzen, Josef Öhmen, Theo Müsch und Josef Peters.

Johann Ohmen war es der die ersten Zusammenkünfte organisierte, bei denen man feststellen wollte, was über den Krieg hinaus an Vereinsvermögen gerettet werden konnte. Es waren die Vereinskasse und einige wenige Instrumente die noch vorhanden waren. Man beschloß zu gegebener Zeit das Tambourkorps wieder auf der Bildfläche erscheinen zu lassen. Ein erster interner Auftritt war ein Ständchen anläßlich der Hochzeit von Franz Erdwey im Jahre 1947. Nach den Bestimmungen der Besatzungsmacht mußte die Vereinssatzung sowie die Namen der Vorstandsmitglieder eingereicht werden, um die Genehmigung für öffentlich Auftritte zu erhalten. Die wurde vom Schriftführer Willi Stübben erledigt. Durch die Währungsreform kam der Kassenbestand des Vereins auf die Summe 0,000!!.

In Deutschland wird Konrad Adenauer zum 1. Bundeskanzler gewählt. Langsam beginnt sich das Leben zu normalisieren.

Auch im Kapellener  Tambourkorps ist wieder ein steter Trend nach oben zu erkennen. Der Schriftführer des Vereins Paul Stübben ist es der durch sein unermüdliches Wirken die Grundlage für einen kräftigen Schub nach vorne schafft. Musikalisch wie gesellschaftlich werden erhebliche Fortschritte erzielt. Im Jahre 1955 wurden die lang ersehnten neuen Uniformen angeschafft. Sie war fliegerblau mit weißem Lederzeug. Der Kapellener Schneider Willi Küppers hatte sie in Maßarbeit angefertigt. Die Aufgaben des Tambourmajors wurden von 1950 an von Christian Zimmermann wahrgenommen, der dieses Amt bedingt durch seinen beruflichen Fortzug aus Kapellen an Adolf Otten übergab.

Dieser brachte es fertig ohne fremde Hilfe die Majorsfähigkeiten zu erlangen. Eine beachtliche Leistung die noch heute hoch anerkannt wird. Ein Wechsel an der Vereinsspitze vollzog sich für einige unerwartet im Jahre 1957.

Johann Ohmen wurde von der Hauptversammlung des Tambourkorps nicht wiedergewählt.

Adolf Otten wurde zum Vorsitzenden gewählt und übernahm damit eine große Verantwortung. Nach 32 Jahren harter aufopferungsvoller  Arbeit wurde Johann Ohmen von allen Kameraden zum Ehrenvorsizenden gewählt. Adolf Otten hatte jetzt ein Personalunion mit den Aufgaben des Majors und denen eines Vorsitzenden. Die Welt erlebt den Beginn der unbemannten Raumfahrt mit dem Start des ersten Sputnik Satelliten, den die Sowjetunion im Oktober 1957 in die Erdumlaufbahn schießt. Eine weitere Neuerung ( nicht in der Wissenschaft ) sondern in der musikalischen Entwicklung des Kapellener Tambourkorps. Durch die ergänzende Anschaffung von neuen Instrumenten wie Pauke, Becken und einer Lyra wird musikalisches Neuland betreten. Schon bald zeigt sich das diese Veränderung viele zusätzliche Möglichkeiten der Musikentfaltung mit sich bringt. In den folgenden Jahren gelingt es den Manen um Adolf Otten die Qualität des musikalischen und gesellschaftlichen Wirkens entscheidend zu verbessern und schon jetzt einige Eckpfeiler für die Zukunft zu setzen, die zum Teil heute noch Bestand haben. Die Verpflichtung des Kapellener Tambourkorps durch den Bürgerschützenverein Neuss ist nur ein Beispiel für die positive Entwicklung für die Adolf Otten in diesen Jahren verantwortlich zeichnet. Ein andrer „Großer“ des Vereins aber tritt am 29.12.1967 seinen letzten Weg an. Im Todesjahr von Konrad Adenauer wird unter großer Anteilnahme der Kameraden Johann Ohmen zu Grabe getragen. Ohne dessen große Leistung wäre die Existenz des Tambourkorps sehr fraglich gewesen. Zu seinem und zum gedenken aller Verstorbenen und gefallenen des Vereins, treffen sich die Kameraden am 2. Weihnachtsfeiertag am Ehrenmal in Kapellen und legen einen Kranz nieder.

Die Entwicklung des Tambourkorps Kapellen ist eng verbunden mit vielen Namen. Sie aufzulisten wäre fast unmöglich. Namen wie Wili Ohmen, Ernst Ostermann, Willi Stübben, Hans Aldenhof, Franz Erdwey und Nikolaus Ross können nur stellvertretend genannt werden für all die Spielleute die sich mehr als durchschnittlich für ihren Verein eingesetzt haben.

Im Korps selbst wird auch das Gesellschaftliche gepflegt und gute Harmonie kommt nicht zu letzt durch das seit 1957 eingeführte Vogelschießen zu stande. Seit dem Jahre 1974 wird zusätzlich für die Jugend noch ein Jungkönig ausgeschossen. Erster König des Vereins war Jakob Ippers und erster Jung König Jakob Koenen. Diese Veranstaltungen sind heute aus dem Vereinsleben nicht mehr weg zu denken. Deutschland trauert um Ludwig Ehrhardt dem Vater des deutschen Wirtschaftswunders. Es ist das Jahr 1977 als Adolf Otten den Spielkameraden mitteilt, das er das Amt des Vorsitzenden, nicht mehr ausführen möchte. Jakob Koenen wird darauf hin zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die Aufgaben des Tambourmajors sollen aber weiterhin bis zum Jubiläumsjahr 1982 in den Händen von Adolf Otten bleiben. Wilfried Boutty bleibt zweiter Tambourmajor und wird auch wiederum zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Dank eines guten Vorstandes kann der neue Vorsitzende den Verein zielstrebig auf das 75 jährige Jubiläum vorbereiten. Hier sind die Kameraden Lutz Volker Friese und Helmut Hösen erwähnt, die eine Menge Verwaltungsarbeit erledigen mußten, um zu gewährleisten, das alles in den geplanten Bahnen verlief. So wurde das Jubiläum 1982 dann auch ein großer Erfolg, der sich nachhaltig in das Gedächtnis der einprägte, die es als Beteiligte oder Zuschauer miterleben durften. Zum Schützenfestausklang 1982 wurde Adolf Otten dann von den Kameraden des Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen vor seinem Haus mit einem „Großen Zapfenstreich“ verabschiedet. Heinz Hess wurde mit dem Ausscheiden von Adolf Otten zum neuen Tambourmajor ernannt. Ihm zur Seite stand als zweiter Major der Spielmann Hans Georg Ohligs. Josef Wiesen hatte im Vorfeld den neuen Major in die welt der Noten und Instumentenlehre eingeführt, so das es kein Wunder war, das Heinz Hess seine Bundeswehrzeit beim Spielmannszug des Heeresmusikkorps 7 in Bremen verbrachte. Dies war für das Korps ein Glücksfall und man konnte froh sein, das wir diesen Kameraden nicht an die Bundeswehr verloren haben.

Es begann ein steiler Aufwärtstrend im Verein. Der musikalische Bereich wurde in hervorragender Manier von den beiden Majoren Heinz Hess und Hans Georg Ohligs abgedeckt.

Neue Musikstücke wurden einstudiert, an denen sich bislang noch kein Tambourkorps versucht hatte. Die Zustimmung und Begeisterung aller Musikfreunde war mehr als nur eine Bestätigung für die Richtung die man eingeschlagen hatte. In diesen Jahren wurden im Verein einige Reformen durchgeführt, die dazu beitrugen, das sich eine gesunde Struktur des Tambourkorps entwickeln konnte. Man machte von sich reden durch Osterkonzerte, Osterbälle, Karnevals und Maiveranstaltungen. Die Zahl der aktiven und passiven Mitgliedern stieg stark an. Das stets korrekte Erscheinungsbild des Korps wurde durch die Anschaffung eines Schellenbaumes noch verschönert. Hier sei noch erwähnt, das bei der weihe, dieses Schmuckstückes alle aktiven Spielkameraden die Messe am Schützenfest Sonntag besuchten. Bei den mittlerweile regelmäßigen Osterkonzerten konnten beachtliche Erfolge erzielt werden. Der Saal der Kapellener Ratsschänke war schon bald zu klein und so wechselte der Veranstaltungsort in den Saal der Gaststätte Glasmacher / Poschen. An dieser Stelle sei dem Musikzug des TV Orken herzlich gedankt. Ohne den Musikern um Kapellmeister Horst Görtz wäre es sicher nicht so leicht gelungen, dieses Konzert, zu dem zu machen was es heute ist. So ist man hoffentlich in der Lange im nächsten Jahr schon zum 18. Großen Osterkonzert aufzuspielen.

Am 3.Oktober des Jahres 1990 wird die staatliche Einheit des deutschen Volkes wieder hergestellt. Das Tambourkorps hatte zwischenzeitlich das Vereinslokal gewechselt. Durch den Verkauf der Bahnhofsgaststätte war dies notwendig geworden. Es ist den Kameraden nicht leicht gefallen, die vertrauten Räume zu verlassen, in denen sie seit vielen Jahren vom Ehepaar Heinz und Inge Gleinert bewirtet wurden. Hier hatten sich alle „Zu Hause“ gefühlt. Neuse Stammlokal wurde die Gaststätte „Zum Pitt Jupp“. Heidi und Bernd Paulussen sorgten schon in kurzer Zeit dafür, das sich alle in den neuen Räumen sehr wohl fühlten.

 

Im Verein selbst beginnt der Vorstand die ersten Planungen für die Feierlichkeiten zum Geburtstagsjahr 1997. Diese rücken aber zunächst in den Hintergrund da im Verein einige Turbulenzen auftreten. Obwohl gerade wiedergewählt, legt nach 18 Jahren Vorsitz, Jakob Koenen sein Amt nieder und setzt Neuwahlen an. Heinz Hess ist es, der das Heft in die Hand nimmt, und die große Mehrheit der Kameraden auf die Einheit des Korps einschwört. Einige Spielleute verlassen dennoch den Verein. Unter ihnen auch der langjährige 2. Major Hans Georg Ohligs. Neuer Vorsitzender des Vereins wird Wolfgang Stübben, der schon 16. Jahre lang als Stellvertreter von Jakob Koenen fungiert hatte. Ein gute Wahl wie sich schon bald zeigen sollte. Das Tambourkorps faßte schnell wieder Tritt. Sven Remers erhält Unterricht von Heinz Hess und wird schon bald von diesem zum 2. Major ernannt. Der wieder in den Verein zurückgekehrte Spielkamerad Thomas Behr übernimmt sofort die Ausbildung der Tamboure und ist einer der Garanten für gezielte Nachwuchsausbildung.

Anläßlich des 60. Geburtstages unseres Kameraden Hermann Josef Iven spielt das Korps im Vereinslokal zum Ständchen auf. Der Vorsitzende Wolfgang Stübben brachte zum Ausdruck das alle Spielleute mit großem Respekt auf die schon 42 jährige aktive Mitgliedschaft des Geburtstagskindes schauen. Es wäre wünschenswert, wenn Hermann Josef Iven, uns noch lange im Verein erhalten bliebe.

Wenn auch nicht alle Verdienste der Vereinsmitglieder in 90 Jahren Tambourkorps mit Namen versehen werden konnten, sei es dem Chronisten dennoch gestattet, zwei Kameraden noch namentlich zu erwähnen. Es sind dies die Ehemals aktiven Ehrenmitglieder Michael Wiesen und Willi Otten. Durch gesundheitliche Schicksalsschläge ist es beiden nur noch bedingt möglich am Vereinsleben teilzunehmen. Das Interesse an Ihrem Tambourkorps aber ist ungebrochen. Dies erfüllt uns mit großer Freude. Wir wünschen uns das Michael Wiesen und Willi Otten mit ihren Ehefrauen noch oft die Gelegenheit haben dem Spiel der Kameraden zu lauschen.

Während 1997 in England John Major durch Tony Blair als Premierminister abgelöst wurde, bereitete sich das Tambourkorps fieberhaft auf das 90jährige Jubiläum vor. Im Rahmen dieser Vorbereitungen gelang es dem Korps, die englische Militärkapelle „Band of Hussars and Light Dragoons“ für die Feiern zu gewinnen. Ein Highlight, das die kapellener Bevölkerung dankbar annahm und durch ihr zahlreiches Erscheinen honorierte. So wurde den Zuschauern ein interessanter Querschnitt durch die Militärmusikhistorie beider Länder geboten. Deutlich wurde der Unterschied zur leichten englischen Marschmusik, als zum Einbruch der Dämmerung das Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen und die Bundesschützenkapelle Neuss unter dem Schein zahlreicher Pechfackeln zur Serenade mit anschließendem Großen Zapfenstreich aufmarschierte. Nichts Besseres hätten sich die Verantwortlichen einfallen lassen können, als mit dieser altpreußischen Tradition einen Abend ausklingen zu lassen. Besonders erwähnenswert ist, dass der Führungsstab unter der Leitung von Wolfgang Stübben und Major Heinz Hess großartige Arbeit geleistet hat. Durch das mit großem Aufwand gefeierte Jubiläum ist es auch verständlich, dass in diesem Jahr ein Angebot des Bürgerschützenvereins Neuss zum Aufspielen des Schützenfestes abgelehnt werden musste.

Ganz im Gegensatz zum deutschen Volke, dass nach 18 Jahren der Regierung von Helmut Kohl mit Gerhard Schröder im Jahr 1998 einen neuen Kanzler wählte, setzte das Tambourkorps Kapellen bei seinen Vorstandswahlen auf Kontinuität und so blieb Wolfgang Stübben als Vorsitzender des Korps im Amt. Den Rest des Jahrtausends bis zum Millennium verbrachte das Korpsschiff dann in ruhigen Gewässern. Nach Verhandlungen mit der Stadtverwaltung Grevenbroich erreichte das Korps, dass der traditionelle Maibaum erstmals in der Ortsmitte von Kapellen einen festen Standort zugewiesen bekam. Auch im neuen Jahrtausend vertraute das Tambourkorps weiter auf seinen Vorsitzenden Wolfgang Stübben und während sich Deutschland fieberhaft auf die Weltausstellung Expo in Hannover vorbereitete, feierte das Korps zusammen mit den Kapellener Bürgern zum 20. Mal das beliebte Osterkonzert.

Nach diesem hoffnungsvollen Beginn des Jahrtausends sollte das Jahr 2001 ein durchwachsendes werden. So verstarb im Alter von 66 Jahren das Ehrenmitglied Willi Otten. Nach langer, tapfer ertragener Krankheit war es für die Kameraden eine ehrenvolle Selbstverständlichkeit, ihm bei seinem letzten Weg zu begleiten. Uneingeschränkte Treue und Liebe zu seinem Tambourkorps sind eine Garantie dafür, dass sein Name immer mit diesem Verein verbunden sein wird. Erwähnenswert ist, dass nach langer Suche nach geeigneten neuen Marschtrommeln diese endlich angeschafft werden konnten. Ohne eine optische Veränderung der bisherigen Instrumente konnte eine Steigerung der Klangqualität erreicht werden. Am 11. September hielten alle Spielkameraden zusammen mit der Welt während der Terroranschläge in den USA den Atem an. In Zeiten solcher Ungewissheit ist es immer besonders wichtig, ein Stück Normalität zu bewahren und so waren es Wolfgang und Marlies Stübben, die bereits wenige Tage später mit der Krönung zum Klompenkönigspaar des Gilverather Festes ein schönes Zeichen für den Ort setzten.

Begann das Jahr 2002 für die Deutschen mit dem Euro als neue Währung aufregend, so brachte es auch für das Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen einige Neuerungen. Wolfgang Stübben trat nach sieben Jahren als Vorsitzender des Korps nicht mehr zur Wahl an. Ein guter Mensch und erfahrener Lotse, der das Vereinsschiff über Jahre maßgeblich mitgesteuert hatte, trat somit ins Glied zurück. Als sein Nachfolger wird Michael Kivilip gewählt, der in Sachen Vorstandsarbeit sicher kein Unbekannter war. Nach 46 Jahren ununterbrochener Vereinsmitgliedschaft schied Hermann Iven aus dem aktiven Spielbetrieb aus. Sein Engagement und seine Treue wurden mit der einstimmigen Ernennung zum Ehrenmitglied honoriert. Eine besondere Ehre wurde dem Verein zuteil, als der Präsident des Bürgerschützenvereines Glehn allen aktiven Spielkameraden die goldenen Ehrennadel für 50 Jahre Aufspielen in Glehn verlieh. Am 30. November 2002 beteiligte sich das Tambourkorps „Frisch Auf“ an einem ganz besonderen Benefizkonzert. Denn das Elbehochwasser im Sommer des Jahres hatte zahlreichen Menschen im Osten der Republik die Existenzgrundlage geraubt und so fanden sich über 400 Musiker aus 15 Vereinen, 3 Musikvereinen und 12 Tambourkorps in der Erfthalle in Frimmersdorf zusammen. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und es konnten 10000 Euro für den guten Zweck eingespielt werden.

Während die Amerikaner im Jahr 2003 mit der Irak-Offensive einen neuen Krieg entfachten, arbeitete das Tambourkorps unbeirrt daran, das harmonische Vereinsleben auch für die Zukunft zu erhalten. So wurde Thomas Stübben, der seine Grundausbildung im Heeresmusikkorps 7 abgeschlossen hatte, von Major Heinz Hess zum 2. Major bestimmt und er löste damit Sven Remers ab. Unerfreulich für das Korps war der Tod des Ehrenmitgliedes Michael Wiesen, der nach langer, schwerer Krankheit verstarb. Michael war maßgeblich am Ausbau des Korps beteiligt und wird vielen Kameraden sicher noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Als einer der stillen Helden des Vereins darf der Chronist sicherlich Sibille Wiesen erwähnen, die immer dafür gesorgt hat, dass der Kontakt Michaels zu seinen Kameraden nie abgerissen ist.

2005, Deutschland im Aufschwung oder mit den Schlagzeilen einer großen deutschen Zeitung ausgedrückt: „Wir sind Papst“. So erfährt das deutsche Volk, dass Kardinal Joseph Ratzinger als Papst Benedikt die Nachfolge von Papst Johannes Paul II antrat. Mit großem Erfolg feiert das Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen zusammen mit dem Musikverein Holzheim das 25. Osterkonzert in Kapellen. Fast zeitgleich mit der Wahl Angela Merkels zur ersten Kanzlerin an die Spitze der Bundesrepublik findet zum letzten Mal das Gilverather Fest statt, welches mit Karl-Heinz und Elisabeth Tannheiser wieder ein Königspaar aus den Reihen des Tambourkorps hat.

Während im Jahr 2006 in Fußballdeutschland ein Sommermärchen geträumt wird, bereiten sich das Tambourkorps auf ein ganz anderes Highlight vor. Eine dreitägige Reise nach Kiefersfelden in Bayern stand vom sechsten bis zum achten Oktober für alle Spielkameraden mit ihren Frauen an. Bereits am frühen Freitagabend traf man sich mit dem ortsansässigen Spielverein zum gemeinsamen Proben, um dann am späten Abend unter Fackelschein gemeinsam zum Großen Zapfenstreich aufspielen zu können. Hier hätte man sich eine größere Resonanz der Zuschauer gewünscht.

Die Vorbereitungen der Vereinsführung zum 100jährigen Jubiläum unter Mitwirkung aller Kameraden des Korps nehmen immer mehr Gestalt an und man darf gespannt sein, wie die geplanten Festtage verlaufen werden. Wir alle sollten diesem Korps für das kommende große Fest Glück und Erfolg wünschen. Das Tambourkorps ist aus der Geschichte unseres Ortes nicht mehr wegzudenken. 100 Jahre erfreut ihre Musik die Kapellener zu verschiedensten Anlässen. Man wünscht sich, es würde ewig so bleiben.

Jakob Koenen