Chronik des
Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen/Erft
Wir schreiben
das Jahr 2007.
Das Jahr in dem
das Tambourkorps Kapellen 100 Jahre alt wird. Runde Geburtstage sind für Vereine
jeder Art meist eine Gelegenheit aus Ihrer Geschichte zu erzählen. Nun möchte
auch das Tambourkorps aus Kapellen dem Leser dieser Website die Gelegenheit
geben sich zu informieren über den Weg dieses Traditionskorps durch die
Geschichte bis zum heutigen Tag.
Man schrieb das
Jahr 1907, das Geburtsjahr des deutschen Offiziers und späteren
Widerstandskämpfers Claus Schenk von Stauffenberg als in Kapellen an der Erft
unter der Leitung von Johann Krüppel innerhalb des hiesigen Turnvereins ein
Spielmannszug gegründet wurde. Regelmäßige Proben wurden zunächst in der
Schreinerei Krüppel durchgeführt. Schon bald war eine gewisse Spielqualität
erreicht die zu ersten Auftritten innerhalb des Ortes führten. Den ersten
Auftritt außerhalb der Gemeinde hatte das Korps im Jahre 1910 anläßlich der
Einweihung des Kreiskrieger - Ehrenmals in Grevenbroich. Im gleichen Jahr feierte der MGV - „Cäcilia „ sein
25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß fand in Kapellen ein Festzug statt, bei
dem das Korps erstmals sein Können in der Öffentlichkeit unter Beweis stellen
konnte. Das Spielmannswesen entwickelte sich in Kapellen langsam zu einer
festen Größe, als im Jahre 1914 die deutsche Mobilmachung erfolgte und kurz
darauf Rußland und Frankreich der Krieg erklärt wurde.
Die Proben
wurden sofort eingestellt. Der Krieg wütete fürchterlich und gegen Ende der Feindseligkeiten
1918 konnte man erleichtert feststellen, das keine Spielleute gefallen waren.
Das Spielmannswesen flaute ab. Andere Sorgen drückten die Kameraden und das
Interesse an eine Wiederaufnahme der Proben fehlte einstweilen noch. Erst im
Jahre 1925 fanden einige wenige den Mut zur Aufnahme der Proben.
Man
suchte neue Interessenten die zum Weiterbestehen des Korps dringend gebraucht
wurden. Der Erste Auftritt des Tambourkorps nach dem 1. Weltkrieg erfolgte, bei
einer Fahnenweihe auf dem Bezirksturnfestes das vom TV Jahn Kapellen
ausgerichtet wurde.
Die
eigenständige Geschichte des Kapellener Spielmannszuges aber beginnt mit dessen
Auflösung durch den Turnverein. Gegen eine geringe Gebühr durften die damaligen
Spielkameraden die mehr als dürftige Ausrüstung an Uniformen und Instrumenten
übernehmen. In der Gatsstätte Hages trafen sich alle Interessierten des
Spielmannswesen und gründeten unter dem Namen Tambourkorps „Frisch Auf“
Kapellen / Erft einen eigenständigen Verein, dessen Namen bis heute Gültigkeit
hat. Johann Ohmen wurde seiner Zeit erster Vorsitzender. Ein Amt das er 32
Jahre ausführen sollte. Der Gastwirt Ferdinand Hages gewährte dem Korps damals
große finanzielle Unterstützung. So konnten sofort 4 Trommeln, 6 Flöten und 6
Signalhörner beschafft werden. Erster Tambourmajor des Vereins wurde Peter
Borsch, der nach einigen Monaten von Heinrich Pesch abgelöst wurde. Der Verein
nahm durch intensive Nachwuchsarbeit einen langsamen aber stetigen Aufschwung.
Wettstreite und der Besuch von Stiftungsfesten wurden mit großem Erfolg
durchgeführt. Höhepunkte waren aber immer wieder die Auftritte in der eigenen
Gemeinde. Die hiesige Karnevalsgesellschaft „Grielächer“, die freiwillige
Feuerwehr oder auch der Kapellener Radsportclub und der SC Kapellen, gaben
immer wieder dem Tambourkorps die Gelegenheit sein Können bei Festzügen unter
Beweis zu stellen. Obwohl Uniformverbot herrschte und alle Veranstaltungen in
Zivil durchgeführt werden mußten, wurde im Jahre 1931 eine neue Uniform (
feldgrau mit Lederzeug ) angeschafft. Der Verein hatte seine Kinderschuhe
gerade verlasen, da zogen düstre Wolken am deutschen Himmel auf. In seiner
Berliner Ausgabe vom 24.März 1934 schreibt der Völkischer Beobachter: Der Wille
des deutschen Volkes erfüllt: Der Reichstag übergibt Adolf Hitler die
Herrschaft.
Auch für einen
kleinen Verein wie das Kapellener Tambourkorps hatte die Konsequenzen. In
Kapellen und Hemmerden begann man mit ehrenamtlichen Auftritten ( Zwang ) bei
Parteiveranstaltungen. Beim Erntedankfest und am Tag der Arbeit mußte ebenfalls
unentgeltlich gespielt werden. Den Versuch der NSDAP - Führung in Kapellen sich
das Tambourkorps als SA - Spielmannszug einzuverleiben scheiterte an der
taktisch klugen Verhandlungsführung des damaligen Majors Heinrich Pesch. Ein
Leistung die man erst heute in seiner Bedeutung richtig erfaßt. Viele
Schützenfeste wurden gespielt und fast alle Veranstaltungen im eigenen Ort
wurden musikalisch begleitet. 1936 wurde das Vereinsmitglied Willi Stübben für
2 Jahre zur Wehrmacht einberufen, wo er als Spielmann bei der Infanterie in
Ostpreußen diente. Ein Jahr nach den olympischen Spielen in Berlin, also 1937,
spielte das Tambourkorps zum erstenmal für den neu gegründeten
Bürgerschützenverein in Kapellen. Alle Auftritte wurden ehrenamtlich
durchgeführt und es entwickelte sich eine besonders enge Verbindung zwischen
den beiden Vereinen, die bis heute ungetrübt ist. Erstmalig spielte man in
diesem Jahr auf dem Grevenbroicher Schützenfest.
Am 8.Mai 1938
wurde das Kriegerehrenmal in Kapellen eingeweiht. Aus diesem feierlichen Anlaß
spielte das Tambourkorps nach mühevollen Proben zum ersten mal den „großen
Zapfenstreich“. Am 1. September 1939 marschierten deutsche Truppen in Polen
ein. Der 2. Weltkrieg hatte begonnen. Vor Kriegsausbruch wurden noch die
Schützenfeste in Kapellen, Hemmerden, Bedburdyck, Orken und Noithausen
gespielt. Die bereits abgeschlossenen Verträge mit Grevenbroich und
Wevelinghoven konnten wegen des Krieges nicht mehr erfüllt werden. Aus gleichem
Grund wurden auch die Proben unverzüglich eingestellt.
Am 8.Mai 1945
kapituliert die deutsche Wehrmacht. Kurz vor Beendigung des Krieges erliegt
Tambourmajor Heinrich Pesch einem Herzschlag. Ein herber Verlust für den Verein
nur wenige Kameraden können ihm das letzte Geleit geben. Im Verein trauert man
wie im ganzen Land um die Toten des Krieges.
Gefallen
und vermißt sind die Spielleute: Willi Spirtz, Josef Stübben, Hans Stübben,
Christian Tappen, Franz Lenzen, Josef Öhmen, Theo Müsch und Josef Peters.
Johann
Ohmen war es der die ersten Zusammenkünfte organisierte, bei denen man
feststellen wollte, was über den Krieg hinaus an Vereinsvermögen gerettet
werden konnte.
Es waren die Vereinskasse und einige wenige Instrumente die noch vorhanden waren.
Man beschloß zu gegebener Zeit das Tambourkorps wieder auf der Bildfläche
erscheinen zu lassen. Ein erster interner Auftritt war ein Ständchen anläßlich
der Hochzeit von Franz Erdwey im Jahre 1947. Nach den Bestimmungen der
Besatzungsmacht mußte die Vereinssatzung sowie die Namen der Vorstandsmitglieder
eingereicht werden, um die Genehmigung für öffentlich Auftritte zu erhalten.
Die wurde vom Schriftführer Willi Stübben erledigt. Durch die Währungsreform
kam der Kassenbestand des Vereins auf die Summe 0,000!!.
In Deutschland
wird Konrad Adenauer zum 1. Bundeskanzler gewählt. Langsam beginnt sich das
Leben zu normalisieren.
Auch
im Kapellener Tambourkorps ist wieder
ein steter Trend nach oben zu erkennen. Der Schriftführer des Vereins Paul
Stübben ist es der durch sein unermüdliches Wirken die Grundlage für einen
kräftigen Schub nach vorne schafft. Musikalisch wie gesellschaftlich werden
erhebliche Fortschritte erzielt. Im Jahre 1955 wurden die lang ersehnten neuen
Uniformen angeschafft. Sie war fliegerblau mit weißem Lederzeug. Der Kapellener
Schneider Willi Küppers hatte sie in Maßarbeit angefertigt. Die Aufgaben des
Tambourmajors wurden von 1950 an von Christian Zimmermann wahrgenommen, der
dieses Amt bedingt durch seinen beruflichen Fortzug aus Kapellen an Adolf Otten
übergab.
Dieser
brachte es fertig ohne fremde Hilfe die Majorsfähigkeiten zu erlangen. Eine
beachtliche Leistung die noch heute hoch anerkannt wird. Ein Wechsel an der
Vereinsspitze vollzog sich für einige unerwartet im Jahre 1957.
Johann
Ohmen wurde von der Hauptversammlung des Tambourkorps nicht wiedergewählt.
Adolf
Otten wurde zum Vorsitzenden gewählt und übernahm damit eine große
Verantwortung. Nach 32 Jahren harter aufopferungsvoller Arbeit wurde Johann Ohmen von allen
Kameraden zum Ehrenvorsizenden gewählt. Adolf Otten hatte jetzt ein
Personalunion mit den Aufgaben des Majors und denen eines Vorsitzenden. Die
Welt erlebt den Beginn der unbemannten Raumfahrt mit dem Start des ersten
Sputnik Satelliten, den die Sowjetunion im Oktober 1957 in die Erdumlaufbahn
schießt. Eine weitere Neuerung ( nicht in der Wissenschaft ) sondern in der
musikalischen Entwicklung des Kapellener Tambourkorps. Durch die ergänzende
Anschaffung von neuen Instrumenten wie Pauke, Becken und einer Lyra wird
musikalisches Neuland betreten. Schon bald zeigt sich das diese Veränderung
viele zusätzliche Möglichkeiten der Musikentfaltung mit sich bringt. In den
folgenden Jahren gelingt es den Manen um Adolf Otten die Qualität des
musikalischen und gesellschaftlichen Wirkens entscheidend zu verbessern und
schon jetzt einige Eckpfeiler für die Zukunft zu setzen, die zum Teil heute
noch Bestand haben. Die Verpflichtung des Kapellener Tambourkorps durch den
Bürgerschützenverein Neuss ist nur ein Beispiel für die positive Entwicklung
für die Adolf Otten in diesen Jahren verantwortlich zeichnet. Ein andrer
„Großer“ des Vereins aber tritt am 29.12.1967 seinen letzten Weg an. Im
Todesjahr von Konrad Adenauer wird unter großer Anteilnahme der Kameraden
Johann Ohmen zu Grabe getragen. Ohne dessen große Leistung wäre die Existenz
des Tambourkorps sehr fraglich gewesen. Zu seinem und zum gedenken aller
Verstorbenen und gefallenen des Vereins, treffen sich die Kameraden am
2. Weihnachtsfeiertag
am Ehrenmal in Kapellen und legen einen Kranz nieder.
Die Entwicklung
des Tambourkorps Kapellen ist eng verbunden mit vielen Namen. Sie aufzulisten
wäre fast unmöglich. Namen wie Wili Ohmen, Ernst Ostermann, Willi Stübben, Hans
Aldenhof, Franz Erdwey und Nikolaus Ross können nur stellvertretend genannt
werden für all die Spielleute die sich mehr als durchschnittlich für ihren
Verein eingesetzt haben.
Im Korps selbst
wird auch das Gesellschaftliche gepflegt und gute Harmonie kommt nicht zu letzt
durch das seit 1957 eingeführte Vogelschießen zu stande. Seit dem Jahre 1974
wird zusätzlich für die Jugend noch ein Jungkönig ausgeschossen. Erster König
des Vereins war Jakob Ippers und erster Jung König Jakob Koenen. Diese
Veranstaltungen sind heute aus dem Vereinsleben nicht mehr weg zu denken.
Deutschland trauert um Ludwig Ehrhardt dem Vater des deutschen
Wirtschaftswunders. Es ist das Jahr 1977 als Adolf Otten den Spielkameraden
mitteilt, das er das Amt des Vorsitzenden, nicht mehr ausführen möchte. Jakob
Koenen wird darauf hin zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die Aufgaben des Tambourmajors
sollen aber weiterhin bis zum Jubiläumsjahr 1982 in den Händen von Adolf Otten
bleiben. Wilfried Boutty bleibt zweiter Tambourmajor und wird auch wiederum zum
zweiten Vorsitzenden gewählt. Dank eines guten Vorstandes kann der neue
Vorsitzende den Verein zielstrebig auf das 75 jährige Jubiläum vorbereiten.
Hier sind die Kameraden Lutz Volker Friese und Helmut Hösen erwähnt, die eine
Menge Verwaltungsarbeit erledigen mußten, um zu gewährleisten, das alles in den
geplanten Bahnen verlief. So wurde das Jubiläum 1982 dann auch ein großer
Erfolg, der sich nachhaltig in das Gedächtnis der einprägte, die es als
Beteiligte oder Zuschauer miterleben durften. Zum Schützenfestausklang 1982
wurde Adolf Otten dann von den Kameraden des Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen
vor seinem Haus mit einem „Großen Zapfenstreich“ verabschiedet. Heinz Hess
wurde mit dem Ausscheiden von Adolf Otten zum neuen Tambourmajor ernannt. Ihm
zur Seite stand als zweiter Major der Spielmann Hans Georg Ohligs. Josef Wiesen
hatte im Vorfeld den neuen Major in die welt der Noten und Instumentenlehre
eingeführt, so das es kein Wunder war, das Heinz Hess seine Bundeswehrzeit beim
Spielmannszug des Heeresmusikkorps 7 in Bremen verbrachte. Dies war für das
Korps ein Glücksfall und man konnte froh sein, das wir diesen Kameraden nicht
an die Bundeswehr verloren haben.
Es begann ein
steiler Aufwärtstrend im Verein. Der musikalische Bereich wurde in
hervorragender Manier von den beiden Majoren Heinz Hess und Hans Georg Ohligs
abgedeckt.
Neue
Musikstücke wurden einstudiert, an denen sich
bislang noch kein Tambourkorps versucht hatte. Die Zustimmung und
Begeisterung aller Musikfreunde war mehr als nur eine Bestätigung für die
Richtung die man eingeschlagen hatte. In diesen Jahren wurden im Verein einige
Reformen durchgeführt, die dazu beitrugen, das sich eine gesunde Struktur des
Tambourkorps entwickeln konnte. Man machte von sich reden durch Osterkonzerte,
Osterbälle, Karnevals und Maiveranstaltungen. Die Zahl der aktiven und passiven
Mitgliedern stieg stark an. Das stets korrekte Erscheinungsbild des Korps wurde
durch die Anschaffung eines Schellenbaumes noch verschönert. Hier sei noch
erwähnt, das bei der weihe, dieses Schmuckstückes alle aktiven Spielkameraden
die Messe am Schützenfest Sonntag besuchten. Bei den mittlerweile regelmäßigen
Osterkonzerten konnten beachtliche Erfolge erzielt werden. Der Saal der
Kapellener Ratsschänke war schon bald zu klein und so wechselte der
Veranstaltungsort in den Saal der Gaststätte Glasmacher / Poschen. An dieser
Stelle sei dem Musikzug des TV Orken herzlich gedankt. Ohne den Musikern um
Kapellmeister Horst Görtz wäre es sicher nicht so leicht gelungen, dieses
Konzert, zu dem zu machen was es heute ist. So ist man hoffentlich in der Lange
im nächsten Jahr schon zum 18. Großen Osterkonzert aufzuspielen.
Am 3.Oktober
des Jahres 1990 wird die staatliche Einheit des deutschen Volkes wieder
hergestellt. Das Tambourkorps hatte zwischenzeitlich das Vereinslokal
gewechselt. Durch den Verkauf der Bahnhofsgaststätte war dies notwendig
geworden. Es ist den Kameraden nicht leicht gefallen, die vertrauten Räume zu
verlassen, in denen sie seit vielen Jahren vom Ehepaar Heinz und Inge Gleinert
bewirtet wurden. Hier hatten sich alle „Zu Hause“ gefühlt. Neuse Stammlokal
wurde die Gaststätte „Zum Pitt Jupp“. Heidi und Bernd Paulussen sorgten schon
in kurzer Zeit dafür, das sich alle in den neuen Räumen sehr wohl fühlten.
Im Verein
selbst beginnt der Vorstand die ersten Planungen für die Feierlichkeiten zum
Geburtstagsjahr 1997. Diese rücken aber zunächst in den Hintergrund da im
Verein einige Turbulenzen auftreten. Obwohl gerade wiedergewählt, legt nach 18
Jahren Vorsitz, Jakob Koenen sein Amt nieder und setzt Neuwahlen an. Heinz Hess
ist es, der das Heft in die Hand nimmt, und die große Mehrheit der Kameraden
auf die Einheit des Korps einschwört. Einige Spielleute verlassen dennoch den
Verein. Unter ihnen auch der langjährige 2. Major Hans Georg Ohligs. Neuer
Vorsitzender des Vereins wird Wolfgang Stübben, der schon 16. Jahre lang als
Stellvertreter von Jakob Koenen fungiert hatte. Ein gute Wahl wie sich schon
bald zeigen sollte. Das Tambourkorps faßte schnell wieder Tritt. Sven Remers
erhält Unterricht von Heinz Hess und wird schon bald von diesem zum 2. Major
ernannt. Der wieder in den Verein zurückgekehrte Spielkamerad Thomas Behr
übernimmt sofort die Ausbildung der Tamboure und ist einer der Garanten für
gezielte Nachwuchsausbildung.
Anläßlich des
60. Geburtstages unseres Kameraden Hermann Josef Iven spielt das Korps im Vereinslokal
zum Ständchen auf. Der Vorsitzende Wolfgang Stübben brachte zum Ausdruck das
alle Spielleute mit großem Respekt auf die schon 42 jährige aktive
Mitgliedschaft des Geburtstagskindes schauen. Es wäre wünschenswert, wenn
Hermann Josef Iven, uns noch lange im Verein erhalten bliebe.
Wenn auch nicht
alle Verdienste der Vereinsmitglieder in 90 Jahren Tambourkorps mit Namen
versehen werden konnten, sei es dem Chronisten dennoch gestattet, zwei
Kameraden noch namentlich zu erwähnen. Es sind dies die Ehemals aktiven
Ehrenmitglieder Michael Wiesen und Willi Otten. Durch gesundheitliche
Schicksalsschläge ist es beiden nur noch bedingt möglich am Vereinsleben
teilzunehmen. Das Interesse an Ihrem
Tambourkorps aber ist ungebrochen. Dies erfüllt uns mit großer Freude. Wir
wünschen uns das Michael Wiesen und Willi Otten mit ihren Ehefrauen noch oft
die Gelegenheit haben dem Spiel der Kameraden zu lauschen.
Während 1997
in England John Major durch Tony Blair als Premierminister abgelöst wurde,
bereitete sich das Tambourkorps fieberhaft auf das 90jährige Jubiläum vor.
Im Rahmen dieser Vorbereitungen gelang es dem Korps, die englische Militärkapelle
„Band of Hussars and Light Dragoons“ für die Feiern zu gewinnen.
Ein Highlight, das die kapellener Bevölkerung dankbar annahm und durch ihr zahlreiches Erscheinen honorierte.
So wurde den Zuschauern ein interessanter Querschnitt durch die Militärmusikhistorie
beider Länder geboten. Deutlich wurde der Unterschied zur leichten englischen Marschmusik,
als zum Einbruch der Dämmerung das Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen und die
Bundesschützenkapelle Neuss unter dem Schein zahlreicher Pechfackeln zur Serenade
mit anschließendem Großen Zapfenstreich aufmarschierte. Nichts Besseres hätten sich die
Verantwortlichen einfallen lassen können, als mit dieser altpreußischen Tradition einen Abend ausklingen zu lassen.
Besonders erwähnenswert ist, dass der Führungsstab unter der Leitung von
Wolfgang Stübben und Major Heinz Hess großartige Arbeit geleistet hat.
Durch das mit großem Aufwand gefeierte Jubiläum ist es auch verständlich, dass in diesem Jahr
ein Angebot des Bürgerschützenvereins Neuss zum Aufspielen des Schützenfestes abgelehnt werden musste.
Ganz im
Gegensatz zum deutschen Volke, dass nach 18 Jahren der Regierung von Helmut Kohl mit Gerhard Schröder
im Jahr 1998 einen neuen Kanzler wählte, setzte das Tambourkorps Kapellen bei seinen Vorstandswahlen auf
Kontinuität und so blieb Wolfgang Stübben als Vorsitzender des Korps im Amt. Den Rest des Jahrtausends bis
zum Millennium verbrachte das Korpsschiff dann in ruhigen Gewässern. Nach Verhandlungen mit der Stadtverwaltung
Grevenbroich erreichte das Korps, dass der traditionelle Maibaum erstmals in der Ortsmitte von Kapellen einen
festen Standort zugewiesen bekam.
Auch im neuen Jahrtausend vertraute das Tambourkorps weiter auf seinen Vorsitzenden Wolfgang Stübben
und während sich Deutschland fieberhaft auf die Weltausstellung Expo in Hannover vorbereitete, feierte
das Korps zusammen mit den Kapellener Bürgern zum 20. Mal das beliebte Osterkonzert.
Nach diesem
hoffnungsvollen Beginn des Jahrtausends sollte das Jahr 2001 ein durchwachsendes werden.
So verstarb im Alter von 66 Jahren das Ehrenmitglied Willi Otten. Nach langer, tapfer ertragener Krankheit
war es für die Kameraden eine ehrenvolle Selbstverständlichkeit, ihm bei seinem letzten Weg zu begleiten.
Uneingeschränkte Treue und Liebe zu seinem Tambourkorps sind eine Garantie dafür, dass sein Name immer mit
diesem Verein verbunden sein wird.
Erwähnenswert ist, dass nach langer Suche nach geeigneten neuen Marschtrommeln diese endlich angeschafft
werden konnten. Ohne eine optische Veränderung der bisherigen Instrumente konnte eine Steigerung der
Klangqualität erreicht werden. Am 11. September hielten alle Spielkameraden zusammen mit der Welt während der
Terroranschläge in den USA den Atem an. In Zeiten solcher Ungewissheit ist es immer besonders wichtig, ein Stück
Normalität zu bewahren und so waren es Wolfgang und Marlies Stübben, die bereits wenige Tage später mit der Krönung
zum Klompenkönigspaar des Gilverather Festes ein schönes Zeichen für den Ort setzten.
Begann das
Jahr 2002 für die Deutschen mit dem Euro als neue Währung aufregend, so brachte es auch für das Tambourkorps
„Frisch Auf“ Kapellen einige Neuerungen. Wolfgang Stübben trat nach sieben Jahren als Vorsitzender des Korps
nicht mehr zur Wahl an. Ein guter Mensch und erfahrener Lotse, der das Vereinsschiff über Jahre maßgeblich
mitgesteuert hatte, trat somit ins Glied zurück. Als sein Nachfolger wird Michael Kivilip gewählt, der in Sachen
Vorstandsarbeit sicher kein Unbekannter war. Nach 46 Jahren ununterbrochener Vereinsmitgliedschaft schied Hermann
Iven aus dem aktiven Spielbetrieb aus. Sein Engagement und seine Treue wurden mit der einstimmigen Ernennung zum
Ehrenmitglied honoriert.
Eine besondere Ehre wurde dem Verein zuteil, als der Präsident des Bürgerschützenvereines Glehn allen aktiven
Spielkameraden die goldenen Ehrennadel für 50 Jahre Aufspielen in Glehn verlieh.
Am 30. November 2002 beteiligte sich das Tambourkorps „Frisch Auf“ an einem ganz besonderen Benefizkonzert.
Denn das Elbehochwasser im Sommer des Jahres hatte zahlreichen Menschen im Osten der Republik die Existenzgrundlage
geraubt und so fanden sich über 400 Musiker aus 15 Vereinen, 3 Musikvereinen und 12 Tambourkorps in der Erfthalle in
Frimmersdorf zusammen. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und es konnten 10000 Euro für den
guten Zweck eingespielt werden.
Während die
Amerikaner im Jahr 2003 mit der Irak-Offensive einen neuen Krieg entfachten, arbeitete das Tambourkorps unbeirrt daran,
das harmonische Vereinsleben auch für die Zukunft zu erhalten. So wurde Thomas Stübben, der seine Grundausbildung im
Heeresmusikkorps 7 abgeschlossen hatte, von Major Heinz Hess zum 2. Major bestimmt und er löste damit Sven Remers ab.
Unerfreulich für das Korps war der Tod des Ehrenmitgliedes Michael Wiesen, der nach langer, schwerer Krankheit verstarb.
Michael war maßgeblich am Ausbau des Korps beteiligt und wird vielen Kameraden sicher noch sehr lange in Erinnerung bleiben.
Als einer der stillen Helden des Vereins darf der Chronist sicherlich Sibille Wiesen erwähnen, die immer dafür gesorgt hat,
dass der Kontakt Michaels zu seinen Kameraden nie abgerissen ist.
2005, Deutschland
im Aufschwung oder mit den Schlagzeilen einer großen deutschen Zeitung ausgedrückt: „Wir sind Papst“.
So erfährt das deutsche Volk, dass Kardinal Joseph Ratzinger als Papst Benedikt die Nachfolge von Papst
Johannes Paul II antrat. Mit großem Erfolg feiert das Tambourkorps „Frisch Auf“ Kapellen zusammen mit dem
Musikverein Holzheim das 25. Osterkonzert in Kapellen.
Fast zeitgleich mit der Wahl Angela Merkels zur ersten Kanzlerin an die Spitze der Bundesrepublik findet zum
letzten Mal das Gilverather Fest statt, welches mit Karl-Heinz und Elisabeth Tannheiser wieder ein
Königspaar aus den Reihen des Tambourkorps hat.
Während im
Jahr 2006 in Fußballdeutschland ein Sommermärchen geträumt wird, bereiten sich das Tambourkorps auf ein ganz
anderes Highlight vor. Eine dreitägige Reise nach Kiefersfelden in Bayern stand vom sechsten bis zum achten
Oktober für alle Spielkameraden mit ihren Frauen an. Bereits am frühen Freitagabend traf man sich mit dem ortsansässigen
Spielverein zum gemeinsamen Proben, um dann am späten Abend unter Fackelschein gemeinsam zum Großen Zapfenstreich aufspielen zu können.
Hier hätte man sich eine größere Resonanz der Zuschauer gewünscht.
Die Vorbereitungen
der Vereinsführung zum 100jährigen Jubiläum unter Mitwirkung aller Kameraden des Korps nehmen immer mehr
Gestalt an und man darf gespannt sein, wie die geplanten Festtage verlaufen werden. Wir alle sollten diesem
Korps für das kommende große Fest Glück und Erfolg wünschen. Das Tambourkorps ist aus der Geschichte unseres
Ortes nicht mehr wegzudenken. 100 Jahre erfreut ihre Musik die Kapellener zu verschiedensten Anlässen. Man wünscht
sich, es würde ewig so bleiben.
Jakob Koenen